Laborsoftware auswählen: 15 Kriterien, die im Alltag wirklich zählen
Funktionsreiche Präsentationen sagen wenig über den Alltagsnutzen einer Software aus. Diese 15 Kriterien helfen, Angebote nüchtern und vergleichbar zu bewerten.

Die Auswahl einer Laborsoftware ist eine langfristige Entscheidung, die sich nur mit Aufwand rückgängig machen lässt. Anbieterpräsentationen betonen naturgemäß Stärken und blenden Einschränkungen aus, weshalb eine eigene, strukturierte Bewertung notwendig ist. Die folgenden 15 Kriterien orientieren sich am praktischen Laboralltag und helfen, Angebote sachlich zu vergleichen. Sie ersetzen keine individuelle Prüfung, geben aber eine belastbare Grundlage für die Entscheidungsfindung.
Use Cases und Bedienbarkeit im Alltag
Eine Software sollte an den tatsächlichen Anwendungsfällen des Labors gemessen werden, nicht an einer allgemeinen Funktionsliste. Es lohnt sich, konkrete Fälle aus dem eigenen Betrieb während einer Demo durchzuspielen.
Ebenso wichtig ist die Bedienbarkeit für unterschiedliche Nutzergruppen. Eine Oberfläche, die für IT-affine Personen intuitiv wirkt, kann für andere Teammitglieder eine Hürde darstellen.
Rollen, Rechte und Mandantentrennung
Ein durchdachtes Rollen- und Rechtekonzept ermöglicht es, Zugriffe auf das notwendige Maß zu beschränken und Verantwortlichkeiten softwareseitig abzubilden. Dies ist besonders relevant, wenn mehrere Personen mit unterschiedlichen Aufgaben im System arbeiten.
Bei Laboren mit mehreren Standorten oder getrennten Geschäftsbereichen spielt zudem die Mandantentrennung eine Rolle: Daten und Auswertungen sollten sich sauber trennen lassen, ohne dass Informationen ungewollt vermischt werden.
Export, Schnittstellen und Datenstandort
Die Möglichkeit, Daten strukturiert zu exportieren, ist ein wichtiger Indikator für die spätere Flexibilität. Ein Anbieter sollte konkret benennen können, in welchen Formaten und Umfängen ein Export möglich ist.
Beim Thema Datenstandort und Auftragsverarbeitung ist es sinnvoll, sich den Auftragsverarbeitungsvertrag und Angaben zum Speicherort der Daten vorlegen zu lassen und diese Fragen bei Bedarf mit fachkundiger Beratung zu klären.
Backup, Migration und Support
Regelmäßige, überprüfbare Backups sind eine Grundvoraussetzung für den produktiven Einsatz einer Software. Es sollte klar sein, wer für die Sicherung verantwortlich ist und wie im Ernstfall auf eine Sicherung zurückgegriffen werden kann.
Auch die Migration bestehender Daten und die Qualität des Supports sind entscheidend. Reaktionszeiten, Erreichbarkeit und die Frage, ob Support in deutscher Sprache angeboten wird, sollten vor Vertragsschluss geklärt sein.
Pilotbetrieb und Exit-Strategie
Ein zeitlich begrenzter Pilotbetrieb mit echten, aber überschaubaren Fällen gibt verlässlichere Erkenntnisse als jede Präsentation. Dabei sollten auch Ausnahmefälle und Fehlerszenarien getestet werden.
Gleichzeitig sollte vor Vertragsabschluss geklärt sein, wie ein späterer Wechsel des Anbieters aussehen würde: Welche Daten lassen sich in welcher Form mitnehmen, und welche Kündigungsfristen gelten?
Kosten transparent vergleichen
Neben der Lizenzgebühr sollten auch Einrichtungskosten, Schulungsaufwand und mögliche Zusatzmodule in den Vergleich einfließen. Ein niedriger Einstiegspreis kann durch spätere Zusatzkosten relativiert werden.
Hilfreich ist eine Übersicht, die alle Kostenbestandteile für einen realistischen Nutzungszeitraum, etwa drei Jahre, gegenüberstellt.
Eine gewichtete Entscheidungsmatrix nutzen
Um die verschiedenen Kriterien vergleichbar zu machen, empfiehlt sich eine Entscheidungsmatrix, in der jedes Kriterium mit einer Gewichtung versehen und pro Anbieter bewertet wird. So lässt sich verhindern, dass einzelne, besonders eindrucksvolle Funktionen die Gesamtentscheidung dominieren.
Die Matrix sollte im Team erarbeitet werden, damit unterschiedliche Perspektiven, etwa aus Verwaltung und Fertigung, einfließen und die spätere Akzeptanz der Entscheidung erhöht wird.
- Jedes der 15 Kriterien mit einer Gewichtung von eins bis fünf versehen
- Jeden Anbieter pro Kriterium mit einer Punktzahl bewerten
- Gewichtete Summe bilden und zusammen mit qualitativen Eindrücken aus dem Pilotbetrieb betrachten
15 Kriterien für die Softwareauswahl
- Passung zu den konkreten Use Cases des Labors
- Bedienbarkeit für unterschiedliche Nutzergruppen
- Rollen- und Rechtekonzept
- Mandantentrennung bei mehreren Standorten
- Exportmöglichkeiten für strukturierte Daten
- Verfügbare Schnittstellen und deren Dokumentation
- Datenstandort und Auftragsverarbeitungsvertrag
- Backup-Konzept und Wiederherstellungsmöglichkeiten
- Vorgehen und Aufwand bei der Datenmigration
- Erreichbarkeit und Sprache des Supports
- Möglichkeit eines zeitlich begrenzten Pilotbetriebs
- Klare Exit-Strategie und Kündigungsfristen
- Transparente Gesamtkosten über mehrere Jahre
- Umgang mit Ausnahmefällen und Fehlerszenarien
- Akzeptanz im Team nach Testphase
Fazit
Eine systematische, gewichtete Bewertung anhand alltagsrelevanter Kriterien schützt vor Fehlentscheidungen, die sich erst nach der Einführung zeigen und dann nur mit hohem Aufwand korrigieren lassen.


