Das Team mitnehmen: Digitalisierung ohne Widerstand und Parallelchaos
Neue Software scheitert häufig nicht an der Technik, sondern daran, dass das Team sie nicht mitträgt. Gute Beteiligung und ein klarer Übergang verhindern Parallelstrukturen.

Digitalisierungsprojekte werden oft aus der Perspektive von Technik und Prozessen geplant, während die Frage, wie das Team den Wandel mitträgt, zu kurz kommt. Dabei entscheidet gerade die Akzeptanz im Alltag darüber, ob ein neues System dauerhaft genutzt wird oder nach kurzer Zeit wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen wird. Change-Management im Dentallabor muss nicht kompliziert sein, erfordert aber bewusste Aufmerksamkeit für die Menschen, die täglich mit den neuen Abläufen arbeiten. Dieser Artikel beschreibt praktische Ansätze, um Widerstände zu verringern und Parallelchaos zu vermeiden.
Frühzeitige Beteiligung statt Vollzugsmeldung
Wird eine neue Software erst präsentiert, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, entsteht leicht der Eindruck, dass die eigene Erfahrung nicht gefragt war. Das führt zu Vorbehalten, selbst wenn die Software objektiv sinnvoll ist.
Werden Mitarbeitende hingegen schon bei der Prozessaufnahme und Anforderungsklärung einbezogen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie die spätere Lösung als eigenes Projekt begreifen und aktiv unterstützen.
Key User als Multiplikatoren
Es hat sich bewährt, aus dem Team einzelne Personen als Key User zu benennen, die sich intensiver mit der neuen Software auseinandersetzen und als erste Ansprechpersonen für Kolleginnen und Kollegen dienen.
Key User sollten nicht zwangsläufig die technikaffinsten Personen sein, sondern solche, die im Team Vertrauen genießen. Ihre Akzeptanz strahlt oft stärker auf andere aus als eine reine Schulung durch externe Trainer.
Training am echten Fall
Schulungen mit künstlichen Beispieldaten wirken häufig abstrakt und werden schnell vergessen. Deutlich wirksamer ist ein Training anhand realer, aktueller Fälle aus dem eigenen Labor, bei dem die Teilnehmenden den kompletten Ablauf einmal durchspielen.
Dabei sollten auch typische Fehler und Ausnahmefälle bewusst thematisiert werden, damit sich niemand im späteren Alltag allein gelassen fühlt, wenn etwas nicht wie im Idealfall läuft.
Eine befristete Übergangsphase einplanen
Ein abrupter Wechsel von einem System auf ein anderes überfordert häufig selbst motivierte Teams. Eine bewusst befristete Übergangsphase, in der alte und neue Abläufe parallel existieren dürfen, nimmt Druck aus der Situation.
Wichtig ist, dass diese Phase ein klares Enddatum hat und kommuniziert wird. Ohne festen Endpunkt besteht die Gefahr, dass sich Parallelstrukturen dauerhaft verfestigen und der Nutzen der neuen Software verpufft.
- Zeitraum der Übergangsphase konkret festlegen und im Team kommunizieren
- Kriterien definieren, wann die Übergangsphase als abgeschlossen gilt
- Verantwortliche benennen, die auf die Einhaltung des Endtermins achten
Feedbackschleifen statt Stillschweigen
Auch nach der Einführung tauchen im Alltag immer wieder Fragen und Verbesserungsvorschläge auf. Werden diese nicht aufgenommen, verbreitet sich schnell der Eindruck, dass niemand zuständig ist.
Regelmäßige, kurze Feedbackrunden, etwa in bestehenden Teambesprechungen, helfen, Probleme früh zu erkennen und zeigen dem Team, dass ihre Erfahrungen ernst genommen werden.
Ein digital führendes System festlegen
Solange parallel mehrere Systeme oder Papierprozesse existieren, muss klar sein, welches System im Zweifel als verbindlich gilt. Ohne diese Festlegung entstehen widersprüchliche Informationsstände.
Sobald die Übergangsphase beendet ist, sollte konsequent auf das neue, digital führende System umgestellt werden, auch wenn einzelne Mitarbeitende noch Vorbehalte haben. Ausnahmen sollten die Ausnahme bleiben, nicht die Regel.
Auf Schuldzuweisungen verzichten
Fehler während der Einführungsphase sind normal und sollten als Lernanlass behandelt werden, nicht als Anlass für Vorwürfe. Ein Klima, in dem Fehler offen angesprochen werden können, führt zu schnelleren Lösungen als ein Klima der Zurückhaltung aus Angst vor Kritik.
Führungskräfte tragen hier eine besondere Verantwortung, indem sie selbst sachlich mit Rückschlägen umgehen und das Team ermutigen, Probleme frühzeitig zu melden statt sie zu verschweigen.
Checkliste: Team bei der Digitalisierung mitnehmen
- Team frühzeitig in Prozessaufnahme und Anforderungsklärung eingebunden
- Key User benannt und mit ausreichend Zeit für Einarbeitung ausgestattet
- Schulungen anhand realer Fälle aus dem eigenen Labor durchgeführt
- Übergangsphase mit klarem Enddatum definiert und kommuniziert
- Regelmäßige Feedbackschleifen im Team etabliert
- Digital führendes System eindeutig festgelegt
Fazit
Digitalisierung gelingt dauerhaft nur, wenn das Team von Anfang an beteiligt wird, klare Übergangsregeln gelten und Fehler als Teil des Lernprozesses verstanden werden statt als Anlass für Schuldzuweisungen.


